(Kooperation mit ERC): Atmosphären und Gefühlsräume in antiken Städten: Rom und Pompeji

brothel
Brothel, Pompeii

 

Ziel dieser Abschlussmonographie des Decor-Projektes, eine Topographie von Affekt und Emotion nachzuzeichnen. Als exemplarische Städte werden mit Pompeji und Rom zwei sehr unterschiedliche gewählt. Sie bieten jedoch einerseits ein herausragendes Quellenmaterial, andererseits vermag auf diese Weise auch eine Kleinstadt mit der Kapitale des Imperius kontrastiert zu werden.
 
Für beide Städte gilt es zunächst, die atmosphärischen Qualitäten einzelner urbaner Teilräume zu erfassen. Dies gilt für Straßen und Plätze, aber auch für einzelne Funktionsgebäude. Sie werden auf ihre Gestaltungsparameter und ihre Ausstattungsformen hin befragt, um auf diese Weise eine ästhetische und semantische Strukturierung der Städte erschließen zu können. In diesen Gestaltungsstrategien kommt, wie sich zeigen wird, eine Vorstellung von Angemessenheit (decor) zum Tragen.
 
Mit dieser atmosphärischen Struktur wird in einem zweiten Schritt die Stadt als Gefühlsraum thematisiert: als Bühne, auf der die städtischen Akteure ihre Gefühle ausleben, zur Schau stellen und kommunizieren. Dazu wird in exemplarischer Weise ein in Quellen gut bezeugtes emotonales Bundle herausgegriffen: Liebe und Erotik, Begehren und Sexualität. In Bezug auf den Stadtraum von Pompeji wird die Quellengattung der Graffiti genutzt um zu erfassen, wo welche Form der sexuellen und erotischen Imagination ihren Platz hat. Für den Stadtraum von Rom steht eine große Zahl an lierarischen Quellen (Ovid, Properz, Martial etc.) zur Verfügung, die erotische und sexuelle Handlungen im monumentalen Stadtraum von Rom imaginieren.
 
Auf dieser Grundlage stellt sich in einem dritten Schritt die Frage, inwieweit sich die aktive emotionale Inanspruchnahme des Stadtraums, wie sie in den Graffiti und literarischen Quellen wenigstens als Imagination zum Ausdruck kommt, an den Decor-Strategien orientiert. Mithin geht es um die Wirkmächtigkeit der atmosphärischen Aufladung, die gegen die 'freie' Inanspruchnahme des Stadtraums als Gefühlsraum zu verhandeln sein wird.