Untersuchungen zur Urbanistik von Kaulonia in der archaischen bis hellenistischen Zeit (in Kooperation mit Prof. Dr.-Ing. Corinna Rohn, Hochschule RheinMain)

Kaulonia
Kaulonia. Blick nach SO auf das zentrale StadtgebietFoto: O. Pilz

 

Die Reste der antiken griechischen Stadt Kaulon oder Kaulonia, die ebenso wie Kroton, Sybaris und Metapont von achäischen Siedlern gegründet worden sein soll, befinden sich unmittelbar nördlich des heutigen Ortes Monasterace Marina (RC) an der ionischen Küste Kalabriens. Zwar deuten einzelne Streufunde griechischer Keramik des späteren 8. und frühen 7. Jhs. v. Chr. in verschiedenen Bereichen des späteren Stadtgebietes darauf hin, dass der Platz bereits in diesem Zeitraum von Griechen frequentiert wurde, doch ist die früheste Besiedlungsphase bisher nicht durch archäologische Befunde belegt.

Ebenso wie die anderen unteritalischen und sizilischen Griechenstädte wies auch Kaulonia bereits früh eine planmäßige Stadtanlage auf, doch lässt sich diese bislang nur in Ansätzen rekonstruieren. Die Ausrichtung der wenigen Straßen und Hausmauern der archaischen und klassischen Zeit, die bei den bisherigen Grabungen angetroffen wurden, weicht zum Teil erheblich von der des Straßenrasters ab, das vermutlich bei der Neugründung der Stadt durch Dionysios II. von Syrakus im mittleren 4. Jh. v. Chr. angelegt wurde. Im Gegensatz zu dieser einheitlichen Stadtanlage, die ebenfalls bislang nur in ihren Grundzügen bekannt ist, bestand das archaisch-klassische Kaulonia aus mindestens drei Stadtvierteln (Nord-, Süd- und Zentralquartier), deren Straßenraster teilweise voneinander abweichend orientiert sind.

Das seit 2015 laufende Feldforschungsvorhaben hat sich zum Ziel gesetzt, auf Grundlage neuer Daten einen Beitrag zur Rekonstruktion der urbanistischen Entwicklung Kaulonias zu leisten. Dazu werden gleichermaßen geophysikalische Prospektionsmethoden und gezielte stratigraphische Ausgrabungen eingesetzt. Im Fokus des Projektes stehen die Stadtviertel der archaisch-klassischen Zeit. Die Maße ihrer Insulae sind bislang unbekannt; ebenso wenig ist klar, ob die einzelnen Quartiere ein zusammenhängendes Gefüge bildeten oder es sich um isolierte Siedlungskerne gehandelt hat. Weitere Forschungsfragen betreffen die Datierung sowohl der frühesten Siedlungsphase als auch des ersten planmäßig angelegten Straßenrasters. Eine Beantwortung dieser Fragen wird nicht nur zu einem besseren Verständnis der Siedlungsorganisation in Kaulonia führen, sondern auch neue Aufschlüsse über die erste Phase der griechischen Landnahme in Unteritalien geben.