Heilige Übergänge: Definition des urbanen Raums in Sizilien und Magna Grecia (Garaffa)

Milesischer Pithos
Torbereich, Akragas (c)Garaffa

 

Mauern und Stadttore bilden einen zentralen Referenzpunkt für die Gestaltung und Wahrnehmung von Städten. Im Zentrum der Untersuchung steht mit den Stadttoren jener Ort des Übergangs, an dem außerstädtische und innerstädtische Ordnungen, Logiken und Ästhetiken miteinander verhandelt werden. Stadttore ermöglichen in pragmatischer Hinsicht den Zugang in die Stadt und das Verlassen der Stadt. Schon durch ihre pragmatische Funktion, dann aber auch durch ihre Gestaltgebung spielen sie eine Schlüsselrolle in der Wahrnehmung der Stadt, wie sich nicht zuletzt an antiken Stadtdarstellungen zeigt.

Stadttore und Wehrmauer waren zwar als architektonische Hochburgen konzipiert, sie konnten jedoch zu den verwundbarsten Punkten der Stadt werden und wurden deswegen in die Obhut verschiedener Gottheiten gestellt. Die immense Bedeutung der Stadttore für das Erleben von Stadt manifestiert sich nicht zuletzt darin, dass sie durch rituelle Handlungen besetzt werden. In der Nähe einiger Stadttore, wie z.B. in Agrigent, Selinunt und Paestum sind Spure von Riten nachgewiesen worden. Diese Belege, zusammen mit weiteren Beispielen aus anderen Kolonialstädten oder frühen Siedlungen in Italien, legen es nahe, das Auftreten von Riten an den Toren einer breiten kontextuellen und räumlichen Analyse zu unterziehen, um zu begreifen, welche Funktion sie in den Stadttoren spielten.