Geschichte der Klassischen Archäologie in Kiel

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war das Fach Archäologie nur an wenigen deutschen Universitäten vertreten: in England und Italien überhaupt noch nicht, in Österreich (Wien) und Frankreich (Paris) nur je einmal. Allgemein wurde das Fach damals von Klassischen Philologen und Althistorikern gelehrt. In Kiel geschah dies ab 1788 durch den damaligen Privatdozenten und späteren Professor Adolf Nasser.

Erster Lehrstuhl seiner Art in Deutschland

1802 schuf man einen Lehrstuhl für Alte Geschichte und Archäologie, den ersten seiner Art in Deutschland, für den gebürtigen Jütländer Georg Zoega. Dieser nahm aber aufgrund gescheiterter Verhandlungen die Lehrtätigkeit nicht auf und ging stattdessen nach Rom. Dennoch führte Zoegas Berufung zur Anschaffung eines Grundstocks archäologischer Lehrbücher.

Forchammer bereist als erster Universitätslehrer die klassischen Länder der Antike

So wurde die Archäologie in Kiel zunächst weiter durch Philologen betrieben. Wilhelm Forchhammer, der seit 1829 an der Christian-Albrechts-Universität lehrte, hatte dabei dem Fachgebiet weitere wichtige Impulse gegeben: Er bereiste als erster deutscher Universitätslehrer die klassischen Länder der Antike, Griechenland, Italien, die Türkei und Ägypten, um dort topografische Forschung zu betreiben. Zusammen mit Otto Jahn, der sich 1839 in Kiel für Klassische Philologie habilitierte und später zu einem bedeutenden Archäologen wurde, veranstaltete er am 9.12.1840 die erste Winckelmannsfeier. Jahn hielt auch die ersten archäologischen Übungen ab, die in Deutschland stattfanden.   

Otto Jahn
Otto Jahn (1813 - 1869), Leipzig 1847 Quelle: O. Schmitt, V. Schultze: Wilhelm Titels Bildnisse Greifswalder Professoren, Greifswald 1931, Tafel 27, nach Carl Werner Müller: Otto Jahn, Stuttgart/Leipzig 1991, S. 19.


Parallel zu seiner Universitätstätigkeit gelang es Forchhammer 1842, durch Spenden adliger und bürgerlicher Kunstfreunde ein Kunstmuseum zu schaffen, das die Grundlage zur heutigen Antikensammlung in der Kunsthalle zu Kiel bildete. Die Kieler Gipsabgußsammlung war nach der Bonner die zweite an einer deutschen Universität und hatte bald einen enormen Umfang erreicht.

Milchhöfer wird 1895 "Professir der Klassischen Archäologie"

1895 endlich wurde Arthur Milchhöfer als "Professor der Klassischen Archäologie" an die Kieler Universität berufen und lehrte hier bis 1904. Die Nachfolge trat für fünf Jahre Ferdinand Noak an, der mit dem Ankauf von 77 bemalten Vasen den Grundstock für eine Lehrsammlung von Originalen, die bis heute immer weiter aufgestockt wird, legte.

Die Jahre 1909 - 1968

Mit den Nachfolgern Noaks, Bruno Sauer (1909-1919), August Frickenhaus (1920-1925) und Eduard Schmidt (1925-1946), gewann unter Einfluss der Schule Heinrich Brunns die kunsthistorische Ausrichtung und Methode in der archäologischen Arbeit am Kieler Institut immer mehr Gewicht. Die Nähe zur Kunstgeschichte wurde auch dadurch deutlich, dass sich beide Sammlungen, die kunsthistorische und die archäologische, seit 1921 gemeinsam unter dem Dach der Kieler Kunsthalle befanden und bis heute noch befinden.

Seit 1968

Bis 1968 leitete Wilhelm Kraiker das Institut. Die letztgenannten Gelehrten vertraten ein breites Forschungsspektrum, das Arbeiten zur griechischen Vasenkunde und antiken Plastik sowie topographische Studien umfasste. Speziell auf dem Gebiet der unteritalischen Vasenmalerei machte sich dann auch Konrad Schauenburg einen Namen, der von 1968 an Professor der Klassischen Archäologie in Kiel war und den schließlich 1990 Berhard Schmaltz, der letzte Institutsdirektor, ablöste.

Seit 2007 ist die Professur für Klassische Archäologie Teil des Instituts für Klassische Altertumskunde.