Arretinische Sigillata und der Wandel von Bildlichkeit zwischen später Republik und früher Kaiserzeit

Flecker, Sigillata

Arretinische Reliefsigillata der Sammlung des Instituts für Klassische Archäologie Tübingen(Foto: T. Zachmann)


Im Zentrum der Arbeit steht die Frage nach Bildlichkeit, also dem gezielten Einsatz von Bildern mit ganz unterschiedlicher narrativer Dichte. Bildlichkeit umfasst dabei das gesamte Spektrum vom semantisch einfach aufgeladenen Ornament bis hin zur komplexen Bilderzählung. Spätestens seit der geometrischen Zeit ist das Phänomen Bildlichkeit eine kulturelle Praxis, die alle Lebensbereiche durchdringt und ohne Unterbrechung die gesamte Antike hindurch fortbesteht. Gleichwohl ist der Einsatz von Bildern je nach Zeit, Region und Kontext großen Schwankungen unterworfen und es existieren Zeiten mit einer Vielzahl ganz unterschiedlicher bildlicher Darstellungen oder auch Epochen mit verschwindender Bildlichkeit. Diese Arbeit hat es sich zum Ziel gesetzt, mit dem Übergang von der späten Republik zur frühen Kaiserzeit exemplarisch einen historischen Abschnitt genauer zu beleuchten, an dem sich besonders gut Fragen nach dem Aufkommen, der Konsolidierung und dem Verschwinden von Bildern stellen lassen. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass die späte Republik in vielen Bereichen eine fast bilderlose Zeit ist, die in der zweiten Hälfte des 1. Jhs. v. Chr. von einem fast explosionsartigen Aufkommen von Bildern auf ganz unterschiedlichen Bildträgern abgelöst wird. Besonders die mit der römischen Institution des convivium verbundenen Bereiche werden dabei durch die neuen Bilder begleitet. Während die historischen, sozio-politischen und kulturellen Entwicklungen dieses Zeitabschnittes immer wieder Thema umfangreicher Arbeiten waren, stand die Frage nach dem Umgang mit und der Verbreitung von Bildern in diesem Zeitraum bisher jedoch nie explizit und umfassend im Vordergrund. Um besonders der großen Materialfülle gerecht zu werden, wird sich die geplante Studie der Thematik methodisch auf zweierlei Wegen nähern. Ein erster Hauptteil widmet sich der häuslichen, vor allem mit dem Gelage verbundenen Bilderwelt und versucht anhand konkreter Fallbeispiele die Entwicklung von der späten Republik bis in die Kaiserzeit nachzuzeichnen. Ein zweiter Teil stellt mit der arretinischen Sigillata Produktion eine ausgewählte Materialgattung ins Zentrum, die nie in Gänze bildwissenschaftlich erschlossen worden ist. Ziel dieses zweiten Abschnittes ist aber nicht nur die erstmalige Erschließung dieser Gattung, sondern das Generieren von Fragen und Antworten, die Licht auf das Phänomen Bildlichkeit im zu besprechenden Zeitraum werfen sollen. Während Teil eins also der diachronen Entwicklung von Bildlichkeit gewidmet ist, geht Teil zwei ganz gezielt bildwissenschaftlichen Fragestellungen nach.