ERC Grant DECOR

Teilprojekt 4: Decorative Prinzipien im sakralen Raum

Tempel der Isis in Pompej
Tempel der Isis in Pompejipublic domain, Quelle

 

Teilprojekt 4 analysiert Heiligtümer als gestaltete Erlebnis- und Wirkensembles. Die dichteste archäologische Überlieferung von ganz unterschiedlichen Heiligtümern liegt in Rom vor. Zudem besitzen wir für Rom eine sehr dichte schriftliche Überlieferung, die uns Aufschluss über Nutzungs- und Wahrnehmungsformen der städtischen Tempel gibt.

Andere Voraussetzungen für Heiligtümer

Die Heiligtümer der Kapitale zeichnen sich zudem durch ausgesuchten Prunk aus waren es hier doch oftmals die Kaiser, die als Bauherren auf den Plan traten. Das Teilprojekt 4 wird daher in Rom ansetzen und Heiligtümer anderer Städte punktuell zum Vergleich heranziehen.

Für die Heiligtümer gilt dabei, was bereits für das Wohnen ausgeführt wurde: dass bisherige Studien, die sich mit der Ausstattung und Wirkung von Tempeln beschäftigt haben, meist einzelnen Gattungen widmeten (zur Wandmalerei etwa Moormann 2011).

Monographische Publikationen einzelner Tempelgebäude (etwa vom temple of Castor and Pollux) hatten indes den ästhetisch-semantischen Wirkzusammenhang der Decorelemente nicht im Auge. Im Unterschied zu den Häusern sind für die Heiligtümer allerdings ganz andersartige soziale Praxen / Riten, damit auch andere Repräsentations- und Rezeptionszusammenhänge vorauszusetzen.

Diskussion aller Heiligtümer ist unmöglich

Bereits für Rom ist allerdings eine kleinteilige Diskussion aller Heiligtümer ebenso unmöglich wie es für Teilprojekt 1 unmöglich ist, sämtliche Wohnbefunde der Region am Golf von Neapel zu diskutieren. Es ist daher notwendig, die Prinzipien der Decorverwendung auf der Grundlage ausgewählter Beispiele spätrepublikanisch-frühkaiserzeitlicher Heiligtümer zu diskutieren.

Der Decor republikanischer Heiligtümer wird dabei in vielen Fällen nur vorsichtig zu erschließen sein, sind doch das Kapitol, aber auch die Tempel auf dem Forum Romanum, dem Marsfeld, am Circus Flaminius und dem Forum Boarium zwar in ihrer Bauform, nur bedingt aber in ihrer Ausstattung rekonstruierbar.

Für die frühe Kaiserzeit ist die Überlieferungslage besser, zu den genannten Kontexten treten nun etwa auch die Heiligtümer der Kaiserfora hinzu. In einem zweiten Schritt sind vergleichend auch einzelne, besonders gut erhaltene italische Heiligtümer (etwa Brescia) in die Untersuchung einzubeziehen.

Doppelte Perspektive ist nötig

Anders als im Falle der Häuser, bei denen es um die Analyse geschlossener Innenräume geht, ist die Wirkung und Atmosphäre von Heiligtümern allerdings aus einer doppelten Perspektive zu untersuchen. Einerseits sind auch für diese Innenräume die Ausstattungsformen (Kultbilder und andere Statuen, Boden-, Wand- und Deckengestaltung) in Abhängigkeit von den Raumqualitäten – Zugänglichkeit und Raumzuschnitt – zu diskutieren. Hier kommen folglich ganz ähnliche Fragestellungen zum Tragen, wie sie für das Wohnprojekt bereits ausführlich dargelegt sind – freilich allerdings für einen ganz anderen, nämlich rituell-kultischen Handlungsrahmen.

Andererseits ist hier aber auch die Frage nach der Inszenierung und Wirkung der Tempel inmitten des urbanen Ambientes, im urbanen Außenraum, zu stellen. In vielen Fällen wird der Tempel in einem eigens dafür gestalteten, von Portiken gesäumten Areal errichtet (etwa die Tempelbezirke am Circus Flaminius sowie die späteren Kaiserfora in Rom), in einigen Fällen entstehen Tempel aber auch inmitten des gewachsenen urbanen Gefüges (etwa am Forum Romanum). Das Projekt wird ausgehend von den konkreten Gestaltungsformen der Tempel nach ihrer Wirkung inmitten solcher homogener wie heterogener Raumensembles fragen.