ERC Grant DECOR

Teilprojekt 3: Die Insula IX,5 in Pompeji als Kontext decorativer Systeme

Pelias, König von Iolkos, stoppt auf den Stufen eines Tempels als er den jungen Jason anhand seiner fehlende Sandale erkennt
Pelias, König von Iolkos, stoppt auf den Stufen eines Tempels als er den jungen Jason anhand seiner fehlende Sandale erkenntpublic domain, Quelle

 

Teilprojekt 3 leistet eine kontextuelle Vertiefung des Ansatzes von Teilprojekt 1. Hier geht es nicht um eine Geschichte der decorativen Prinzipien in ihrer Gesamtheit, sondern um ein Verständnis des Zusammenspiels von Decorformen, wie sie auf einer einzigen Insula in Pompeji nebeneinander anzutreffen sind. Auf der Insula IX,5, die für die Analyse ausgewählt wurde, befinden sich mehrere eher kleine Häuser, die jedoch sehr unterschiedliche Decorformen besitzen.

Sie bietet sich dadurch für eine diachron angelegte Analyse von Decorformen ganz unmittelbar an. Es handelt sich um die Casa  di Achille (IX 5,1-3), die Casa IX 5,6.17, die Casa dei Pigmei (IX 5,9), die Casa IX 5,11.13, die Casa di Giasone (IX 5,18), die Casa IX 5,14-16 (als Lupanar benannt) sowie eine Bäckerei (IX 5,4).

Systematische Zusammenstellung der Informationen als Ausgangspunkt

Ausgangspunkt dieses Projektes ist eine systematische Zusammenstellung aller Informationen zur Verortung erhaltener wie auch heute verlorener Wandmalereien. Sie sind zu anderen, für diese Insula rekonstruierbaren Ausstattungselementen in Beziehung zu setzen. Diese Befundsichtung ist in einem als Raumbuch angelegten Katalog zu dokumentieren und in Grundrissplänen zu kartieren. Nach Möglichkeit wird dafür auf neues Planmaterial zugegriffen, das im Rahmen des Grande Progetto Pompei erstellt wird.

Die Insula IX,5 hat, was die Analyse ihrer Decorbereiche angeht, verschiedentlich im Fokus der Aufmerksamkeit gestanden, finden sich hier doch einzelne, besonders ungewöhnliche oder auffällige Decorelemente – etwa Pygmäendarstellungen oder detailreiche Sexszenen (im Lupanar). Im Hinblick auf das Zusammenspiel verschiedener Bilder ist vor allem die Casa di Giasone diskutiert worden.

Systematische Analyse aller Decorformen steht noch aus

Eine systematische Analyse aller Decorformen steht bislang jedoch aus. Sie hat sich an den oben formulierten grundsätzlichen Fragen zur architektonischen Strukturierung der Räume und ihrer Zugänglichkeit einerseits, der Verteilung einzelner decorativer Elemente andererseits zu orientieren.

So ist zu diskutieren, in welcher Form durch intermediale Referenzen ein ästhetisch differenzierter und zugleich narratologisch komplexer Raum entsteht und wie diese Formen der ästhetischen und semantischen Erschließung des Decors durch die Bewegung im Raum erfahren wird. Eine solche Sequenzierung von Decorerfahrung ist dann aber auch für ganze Hauseinheiten und schließlich komparativ für die Insula zu klären.