ERC Grant DECOR

Teilprojekt 2: Bild und Ornament auf Kleinfunden der Insula di Menandro in Pompeji

Antiker römischer Spiegel mit einem figurativen Emblem
Antiker römischer Spiegel mit einem figurativen Emblem, Silber, 1. c.CE. Aus dem Schatz des Hauses des Menander in Pompeji, Italienpublic domain, source

 

Teilprojekt 2 vertieft einen Aspekt, der in Teilprojekt 1 ausgeklammert werden musste: die Analyse von Kleinfunden im Hinblick auf ihr decoratives Potential. Es fragt danach, wie im Bereich der Insula di Menandro die Atmosphäre der Häuser durch mobile Kleinfunde zusätzlich ästhetisch und semantisch aufgeladen wird.

(Grant agreement number 681269)

Neubetrachtung der Kleinfunde bezüglich neuer Fragestellungen

Die Insula ist nicht nur sehr gut erhalten, sondern jüngst umfassend publiziert worden; sowohl Architektur, Malerei als auch die Kleinfunde (Allison 2006) sind vorgelegt. Auf der Insula 10 der Regio I befinden sich das Haus I 10,1, die Casa del Menandro (I 10,4), die Unit I 10,5 und I 10,6, die Casa del Fabbro (I 10,7), das Haus I 10,8, die Casa degli Amanti (I 10,10-11), die Unit I 10,12 und Haus I 10,18. Trotz der guten Publikationslage wird es auch für dieses Projekt notwendig sein, die Kleinfunde in den Magazinen in Neapel nochmals in Autopsie zu untersuchen, da die oft sehr kleinen Abbildungen und knappen Beschreibungen nur einen sehr ungefähren Eindruck geben können.

Bislang sind solche Kleinfunde, wenn sie überhaupt kontextuell analysiert wurden, geradezu ausschließlich daraufhin untersucht worden, inwieweit sie Aussagen zur Raumfunktion zulassen. Im Rahmen des Projektes hingegen sollen diese Kleinfunde als Träger von Decor, von Bildern und Ornamenten, ernst genommen werden. Tatsächlich steht eine Auswertung des decorativen – ästhetischen wie semantischen – Spektrums dieser Funde aus. Insgesamt verzeichnet Allisons Aufstellung 2000 Funde.

Zu dem Fundmaterial zählt Keramik mit und ohne Decor, Glas, ein reich bebilderter und ornamentierter silver treasure, Münzen, in kleiner Zahl Statuen und Statuetten, aber auch Gerät bzw. bronzene Beschläge von Gerät sowie im Einzelfall etwa auch eine Sonnenuhr. Es sind folglich Objekte, die in ganz unterschiedlicher Weise inszeniert und in den Alltag eingebunden waren.

Vom Einzelobjekt zur ambientalen Kontextualiesierung

In einem ersten Schritt des Projektes geht es folglich um die Analyse der Bilderwelt auf Geräten, in einem zweiten Schritt soll nach der ambientalen Kontextualisierung der Kleinfunde gefragt werden. Es gilt zu untersuchen, wie sich ihr Decor zu den Räumen verhält, in denen sie gefunden wurden. Zwar muss man in Rechnung stellen, dass einerseits der Fundkontext nicht zwingend auf den ursprünglichen Verwendungskontext schließen lässt und man andererseits für mobile Objekte meist keinen gezielten (d. h. intentional gestalteten) ästhetischen oder inhaltlichen Bezug auf spezifische Räume annehmen darf. Und doch handelt es sich bei den mobilen Objekten um Träger von Decor (Bilder und Ornamente), so dass sie die Atmosphäre von Häusern zusätzlich angereichert haben müssen.

Zu formulierende Fragen

Vor dem skizzierten Hintergrund sind folgende Fragen zu formulieren:

  • Welche Objekte werden mit Ornamenten / Bildern versehen und welche Objekte bleiben ohne Dekor, sind also auf ihr formales ‚Design‘ reduziert? Wie lässt sich das Verhältnis von Bild und Ornament einerseits, von Design und Ornament andererseits definieren?
  • Gibt es stereotype Verbindungen von Decorelementen und Objektgattungen?
  • Welches thematische Spektrum machen die Kleinfunde der Insula di Menandro auf?
  • Kann man für größere Objekte (etwa Möbel, Oscilla) Aussagen dazu treffen, wie sie die Wirkung eines Raumes verändert haben?
  • Im Rahmen welcher Handlungen werden bebilderte bzw. ornamentierte Objekte verwendet und inwiefern ist dies aussagekräftig für eine räumliche Kontextualisierung der Funde?
  • Gibt es – sofern eine plausible Zuweisung von Kleinfunden an bestimmte Räume möglich ist – Verdichtungen einzelner Themen in bestimmten Räumen?
  • Wie wird das decorative Spektrum einzelner Räume, wie es durch die kontextuell festgelegte Decoration erzeugt wird (Wandmalerei, Pavimente, Decken), durch die mobilen Kleinfunde erweitert, ergänzt oder verdichtet? Wie wird der visuelle Eindruck der Räume durch die Objekte (insbesondere die größeren Statuen und Geräte) modifiziert?