ERC Grant DECOR

Teilprojekt 2: Mobile Decorwelten - Das Inventar der Insula di Menandro (I, 10) von Pompeji

Antiker römischer Spiegel mit einem figurativen Emblem
Antiker römischer Spiegel mit einem figurativen Emblem, Silber, 1. c.CE. Aus dem Schatz des Hauses des Menander in Pompeji, Italienpublic domain, source

 

Am Beispiel der Insula di Menandro (I, 10) soll ein Aspekt vertieft werden, der im Rahmen des vorherigen Teilprojektes ausgeklammert werden musste: die Analyse von Funden im Hinblick auf ihr decoratives Potential. Die ausgewählte Insula hebt sich durch ihren Erhaltungszustand und die Publikationslage bezüglich Architektur und Malerei sowie insbesondere des Fundmaterials von den meisten Befunden der Vesuvstädte ab und ist folglich für diese weiterführenden Fragestellungen prädestiniert.

Für eine vollständige Analyse des Inventars ist es jedoch zusätzlich notwendig, die Objekte in den Magazinen Pompejis und im Museo archeologico Nazionale di Napoli in Autopsie auf ihren Decor hin zu untersuchen. Bislang waren die wenigen kontextuellen Analysen von Kleinfunden auf ihre Aussagen bezüglich der Raumfunktion ausgerichtet. Im Rahmen des vorliegenden Projektes werden sie hingegen primär als Bild- und Ornamentträger bzw. eigenständiges Decorobjekt verstanden.

Das Untersuchungsmaterial reicht dabei von Gefäßen und Haushaltsgeräten des alltäglichen Gebrauchs über Leuchtmittel, Möbel und Möbelbeschläge bis hin zu extraordinären Objekten wie bronzenen Kohlebecken und Silbergeschirr. Es handelt sich folglich um Objekte, die in ganz unterschiedlicher Weise in Handlungen des Alltags eingebunden waren.

Auf einer ersten Untersuchungsebene steht das direkte Verhältnis von Objekt und Decor mit der Frage nach gattungs-, funktions- oder materialbedingten Decorationsprinzipien im Vordergrund. Darauf aufbauend rückt die Frage in den Fokus, welche Funktions- bzw. Handlungskontexte im römischen Haus (z.B. Hausarbeit oder convivium) mit ästhetisierten Objekten angereichert waren und in welchem Verhältnis diese zueinander stehen. Die dritte und weitreichendste Untersuchungsebene soll abschließen an Einzelbeispielen skizzieren, wie eine von mobilen Objekten eröffnete Decorwelt mit den statischen Decorensembles (Wandmalerei, Paviment) im Raum interagiert. Ziel ist es dabei zu verfolgen, ob es bezüglich des Decors eine ästhetische, semantische oder narrative Verschränkung zwischen Objekten – Handlungen – Räumen gibt.

Vor dem skizzierten Hintergrund werden konkret folgende Fragen formuliert:

  • Welche Objekte wurden mit Ornamenten und Bildern versehen und welche blieben ohne Decor?
  • Gibt es stereotype Verbindungen von Decorelementen und Objekten bzw. Objektgruppen?
  • In welchem Verhältnis stehen der gemeinsame Funktions- oder Handlungskontext unterschiedlicher Objekte und ihr Decor?
  • Wie wird das statisch definierte decorative Spektrum einzelner Räume (Wandmalerei, Pavimente, Decken) durch die mobilen Kleinfunde erweitert, ergänzt oder verdichtet?