ERC Grant DECOR

Teilprojekt 1: Wohnen im spätrepublikanischen Italien

Fresko im Domus Aurea in Rom
Fresko in der Domus Aurea in Rompuplic domain, Quelle

 

Teilprojekt 1 diskutiert an ausgewählten Beispielen Prinzipien der Verwendung, Bedeutung und Funktion von Decor vom späten 2. Jh. v. Chr. bis zum Beginn des Prinzipats. Weitere Befunde – erhaltungsbedingt vor allem aus der Region am Golf von Neapel, aber auch aus Rom und anderen Städten Italiens – werden vergleichend hinzugezogen, um die Frage nach regionalen und sozialen Differenzierungen in der Decorverwendung in die Studie einholen zu können.

Dabei werden für den Horizont des ersten und zweiten Stils jeweils exemplarische Kontexte herausgegriffen, die zwar nachträglich weitere Veränderungen erfahren haben, die aber für die jeweilige Ausstattungsphase dennoch als charakteristisch gelten können (Casa del Fauno; Casa del Labirinto). Diese Ausstattungsphasen werden in Phasenplänen dokumentiert, die jeweils zugehörigen Ausstattungselemente im Plan kartiert.

Die Auswertung setzt für die exemplarisch ins Auge gefassten Befunde bei der kleinsten Analyseeinheit, dem einzelnen Raum, an. Dabei gilt es zu bestimmen, wie Decorformen auf den gestalteten Raum Bezug nehmen und wie sie auch miteinander interagieren. In einem zweiten Schritt gilt es, die decorativen Strategien für ein ganzes Haus vergleichend zu untersuchen. Hier kommt die Frage nach den sozialen Akteuren ins Spiel. Ihre Wahrnehmung orientiert sich an den Modi der Bewegung (statisch/peripatetisch) und den Handlungen, die sie ausführen. Decorwahrnehmung vollzieht sich folglich immer in Bezug auf bestimmte Betrachterdispositionen, die in die Analyse mit einzuholen sind.

Die Auswertung führt die an den Einzelbeispielen gewonnen Einsichten zur decorativen Ausgestaltung von spätrepublikanischen Wohnräumen zusammen und stellt unter Einbeziehung weiterer Befunde

  • die Frage nach Decoscapes im republikanischen Italien: der Verfügbarkeit von Decorformen und Decorkonzepten, aber auch nach ihrer dem jeweiligen lokalen Kontext, dem einzelnen Gebäude und einzelnen Raum angepassten Realisierung;
  • die Frage nach der ästhetischen und semantischen Relevanz von Architektur und dem Bild von Architektur;
  • die Frage nach der ästhetischen und semantischen Relevanz von Bildern und den Konsequenzen, die sich aus einer kontextuellen Betrachtung ergeben;
  • die Frage nach kontextuellen Decorstrategien und ihrer kontextuellen Wahrnehmung.

Alle genannten Aspekte unterliegen zwischen dem ausgehenden 2. und dem späten 1. Jh. v. Chr. einem grundlegenden Wandel. Der Wandel von Architektur und Decor stellt eine sich ändernde Bühne für soziale Praktiken dar, die sich ihrerseits wenigstens zum Teil ebenfalls im Wandel befunden haben müssen.